Landau & Kindlbacher
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F.A.Z. Einspruch Magazin - Anwälte im Großraum

 

Die international agierende Kanzlei Latham & Watkins leistet Pionierarbeit. Was in anderen Ländern schon länger praktiziert wird, wird in Deutschland im Frankfurter Büro der Kanzlei, das von Landau + Kindelbacher umgebaut wird, eine Premiere: ein Open Space Büro. Verschiedene Aufenthaltsbereiche stehen ab sofort zur Verfügung, separate phone boxen, focus rooms, informal meeting rooms für activity based working sowie coworking spaces in den working cafes und den cubes. Lesen Sie mehr hierzu im hierzu erschienenen Artikel von Corinna Budras aus dem F.A.Z. Einspruch Magazin vom 17.01.2018:

 

 

Arbeitsbedingungen Anwälte im Großraum

 

 Von Corinna Budras

 

Neugestaltung der Büros von Latham & Watkins

Im fünften Stock der Frankfurter Welle unweit der Alten Oper geht es schon seit Monaten hoch her. Dort wird gehämmert und gebohrt, es werden Wände eingerissen und Leitungen verlegt. Ein riesiger Aufwand wird betrieben, und doch bleibt alles diskret und im Geheimen. Jeder ahnt, was sich auf diesem Areal abspielt, aber nur wenige haben es schon betreten. Und das ist auch so gewollt. Denn das Resultat wird womöglich für manchen verstörend sein. Dann ist es besser, wenn vorher nicht zu viele hineinreden. So hat es Oliver Felsenstein verfügt, seit mehr als einem Jahr Managing Partner der internationalen Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins. Er ist geradezu hingerissen von der Neugestaltung, deshalb gewährt er F.A.Z. Einspruch einen ersten Einblick.

Großes hat er mit seiner Sozietät vor. „Wir wollen die modernste Kanzlei sein“, sagt er, und spricht damit noch keine weltbewegende Erkenntnis aus. Wer will das schließlich nicht? Viel entscheidender jedoch ist, welche Taten er seinen Worten folgen lässt. Die sind radikaler als alles, was es in der sehr traditionell geprägten deutschen Kanzleibranche gab, die bisher sehr viel Wert auf ihre schönen Einzelbüros legte. Die amerikanischen Kanzleien tickten da schon immer etwas anderes, dort sind Großraumbüros insbesondere für die jüngeren Associates oder Zeitarbeiter nicht ungewöhnlich. Doch den Sprung in die deutsche Bürokultur haben sie nie geschafft. Bis jetzt. Bis Latham & Watkins angefangen hat, die Wände einzureißen.

 

Jetzt heißt es: Transparenz statt Geheimniskrämerei, Zusammenarbeit statt Einzelkämpferattitüden. Und das schlägt sich eben nicht nur in einer neuen Arbeitshaltung nieder, die sich zwar verordnen, aber nur schlecht durchsetzen lässt. Viel effektiver geschieht das durch eine neue Bürokultur. Großraum statt Einzelbüro, Glaswände statt Betonmauern. In diesen Tagen geht es los, dann wird der Umzug der ersten Anwälte vollzogen. Bald werden also die Associates in Teams zusammensitzen, jedermann in Sicht- und Hörweite, nur die Partner behalten ihre eigenen gläsernen Büros. Wie häufig sie in den Großraumbüros auftauchen, wird sich zeigen. Nicht jeder ist hingerissen von der Idee.  Das Projekt wird sich noch Monate hinziehen. Schließlich wird kein neuer Büroturm bezogen, sondern der alte bei laufendem Betrieb umgebaut. Felsenstein drückt dabei auf die Tube: „Die nächsten fünf Jahre sind entscheidend“, sagt er. „In dieser Zeit wird sich der Anwaltsmarkt dramatisch wandeln.“ Schon jetzt tut sich eine Menge: Kanzleifusionen, Legal Tech, Kooperationen mit neuen smarten Gründern, so viel Innovation war selten.

 

Felsenstein ist bekannt für seinen Drang, Kanzleien von Grund auf zu erneuern, um es vornehm auszudrücken. Konkreter könnte man auch sagen: Strukturen aufzubrechen, Widerstand zu überwinden. Schon bei Clifford Chance soll er im Hintergrund gewirbelt haben, als sich die Kanzlei vor mehr als zwei Jahren einer Profitabilitätskur unterziehen musste. Etliche Anwälte haben damals die Kanzlei verlassen, irgendwann ging Felsenstein selbst und dreht nun bei Latham & Watkins die Steine um. In der Frage des Umbaus hätte Felsenstein die Arbeitsforscher wohl auf seiner Seite: Auch sie propagieren schon seit geraumer Zeit eine neue Bürokultur, die eingesessene Arbeitsplätze abschaffen und durch neue, flexiblere Formen der Zusammenarbeit ersetzen will. Felsensteins Konzept folgt der neuen Spielregel des modernen Arbeitens. Und die lautet: Das abgeschottete Einzelbüro hat ausgedient. Jetzt ist Austausch gefragt, entweder ganz leger in einem locker-lässigen Loungebereich („Schöner als Starbucks“) oder an den Tischgruppen. Dort nehmen künftig die Anwälte auch über Praxisgruppengrenzen hinweg Platz. Sie sind nur durch schalldämpfende halbhohe Wände voneinander getrennt.

 

An dieser Stelle halten die Kritiker meist entsetzt inne. Erwachsene Menschen zehn Stunden ununterbrochen auf dem Präsentierteller, das kann nicht gut- gehen. Sie fürchten um das konzentrierte Arbeiten, Rückzugsmöglichkeiten und, bei Anwälten noch schlimmer: die Integrität. Denn Interessenkonflikte lauern bei breit aufgestellten Kanzleien wie Latham & Watkins auch so schon überall, da sind fehlende Wände ein zusätzliches Problem. Immerhin eins, das Felsenstein im Blick hat: Als „Chinese Walls“ müssen nun verschiedene Stockwerke herhalten: Teams, die Wettbewerber beraten, werden auf unterschiedliche Etagen verteilt. Allerdings ist das nur ein Teil der Geschichte, der Trend geht ja nicht nur zu Teamarbeit im Großraumbüro, sondern zum selbstbestimmten Arbeiten. Und das bedeutet, dass selbstverständlich auch Rückzugsmöglichkeiten zur Verfügung stehen müssen. Felsenstein nennt sie „Fokus Räume“, in denen die Mitarbeiter in eigens dafür eingerichteten Zellen telefonieren oder konzentriert und ungestört arbeiten können. Auch Teamtreffen sollen dort stattfinden. Das Ganze folgt dem Kalkül, dass auch Sozietäten heutzutage nichts anderes sind als moderne Unternehmen, die wiederum moderne Unternehmen beraten. Und als solche könne man nicht altmodischer sein als die Mandanten. Bei denen tut sich schließlich auch Unglaubliches: Viele Unternehmen bauen um. Besonders die Großen sind ganz verrückt danach: Microsoft, Siemens, IBM lassen sich etwas Neues einfallen. Mal geht es darum, den anspruchsvollen Nachwuchs zu locken, dann wieder müssen Kosten gespart werden. Beides zwei völlig unterschiedliche Ziele, die jeweils zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. So oder so sieht es gleich viel luftiger, moderner und zukunftsorientierter aus. Ob das auch für die Arbeit selbst gilt, entscheidet sich am Einzelfall. Nicht alle Mitarbeiter lieben die neuen Konzepte, einige sind auch genervt. Felsenstein allerdings ist ein leidenschaftlicher Vertreter der neuen Arbeitswelt und bereit, mit seinen Ideen auch hartnäckigen Widerstand zu brechen – gleich ob von außen oder von innen. Als er das Konzept Ende Oktober auf der Preisverleihung der „Juve Awards“ erstmals in der gebotenen Kürze vor den anwesenden Anwälten präsentierte, ging ein Raunen durch den Saal. Die Ankündigung sorgte auch noch Tage später für Gesprächsstoff – natürlich vornehmlich bei den Kritikern. Über Veränderung lässt sich leichter lästern als diskutieren: Latham & Watkins erhofft sich von den neuen, schicken Büros einen Modernitätsschub, der vielversprechenden Nachwuchs anzieht. Dazu müssten die jungen Anwälte aber so begeistert von der neuen offenen Unternehmenskultur sein, wie gemeinhin angenommen wird. Auch das wird sich bald zeigen.

 

 

Artikel „Anwälte im Großraum“ aus dem F.A.Z. Einspruch Magazin vom 17.01.2018 von Corinna Budras.

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